Donnerstag, 21. März 2013

Der Bär und ich

Ihr glaubt es nicht! Bin heute mit einem Bären im Bus gefahren. Dachte erst, der sei entlaufen und wild und so, aber dann hat der ne Fahrkarte gekauft und sich neben mich gesetzt. Und ich so: "Äähh, aaahh, Hilf...-", und dann der Bär: "Hält der auch in Othmarschen?". Naja und dann fiel mir der Moschus-Geruch auf und dann hab ich gemerkt, das ist gar kein sprechender, nach Moschus riechender Bär, das ist ne Frau mit nem Bären drum. Die sah plötzlich total beknackt aus, hatte nämlich auch noch kackbraune Nerzstiefel an.

Dachte eigentlich, die Pelz-Mode sei so aus der Mode gekommen, dass es keine Pelz-Mode mehr gibt. Immerhin: eine kürzlich erhobene Umfrage unter Kängurus, Nerzen und Füchsen hat ergeben, dass sie es heute viel erstrebenswerter finden, dem hippen Hipster als Tasche oder Fuschsschwanz zu dienen, statt wie damals von runzligen Omas mit Echt Kölnisch Wasser eingedieselt zu werden. Na bitte.

"Lieber nackt als im Pelz" ist also gescheitert, Peta hat versagt. Die müssen sich um andere Dinge kümmern. Zum Beispiel winzige Schildkröten und Salamander aus Schlüsselanhängern befreien. Die Chinesen finden das nämlich très chic. Und wer jetzt denkt, die armen Tiere verhungern doch da drin, der wusste vermutlich nicht, dass die Chinesen herzensgute Menschen sind und das Wasser in dem kleinen Plastikbeutel mit Nährstoffen angereichert haben. Damit können Schildkröte und Co. locker ein paar Wochen überleben. Siehste, alles prima. Und wenn nun eines der Tiere auf den dummen Gedanken kommt, sein Dasein als Schlüsselanhänger sei sinnlos? Keineswegs! Wenn Mensch unterwegs Hunger kriegt, kann er sein Accessoire schnell überm Feuerzeug garen, happs, weg, lecker, und das Leben hatte wieder einen Sinn.

Noch besser geht es aber den Schweinen aus der Massentierhaltung. Schließlich "wird da vom Tier alles, ja wirklich alles, verwertet." Das wird die vielen Ferkel sicher beruhigen, die ihre unbrauchbaren Reste nun in Zigarettenfiltern oder den Bremsscheiben von Zügen finden. Klasse. Für alle Vegetarier, Moslems und Juden bedeutet das aber nur eine kleine - wirklich nicht schlimme! - Einschränkung. Nie wieder Bahn fahren, rauchen ist sowieso out und achja, Brot können wir leider auch nicht mehr essen. Da ist nämlich ebenfalls Schwein drin, und zwar in Form von aus Haaren gewonnenem Eiweiß, um den Teig geschmeidiger zu machen.

Also, weitermampfen, was das Zeug hält, liebe Leute. Und wenn die große Hungersnot ausbrechen sollte, gibts da ja noch die nahrhaften Bremsscheiben der Deutschen Bahn.
In diesem Sinne, wohl bekommts.

PS. Wer die Sache mit den Schlüsselanhängern jetzt doch nicht mehr so hip findet wie die Chinesen, der kann hier eine Petition dagegen unterzeichnen: http://www.avaaz.org/de/petition/Stoppen_der_GluecksbringerTierquaelerei_in_China/

und PPS. es gibt endlich ein Kochbuch, das über die Herkunft der fleischigen Zutaten informiert - in Zeiten von skandalösen Lasagnen mit Pferd ne super Sache. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,887054,00.html



1 Kommentar:

  1. ...den Beitrag kannte ich ja noch gar nicht, sehr schön ;)Ich hoffe du hast der Bärtigen-Lady die Handtasche geklaut (ups, habe ich das gerade wirklich gesagt?) Verdient hätte sie es, jawohl!
    Wusste gar nicht das du auch bei avaaz eingetragen bist, aber wie immer: Marthe ist für Überraschungen gut!

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